Montag, 04 Juli 2022 08:17

Christoph Elsässer: Das neue Wohnquartier bedeutet einen Schub für Rondorf

Die Gestaltung des neun Wohnquartiers Rondorf Nord-West ist ein Projekt von Christoph Elsässer. Der 49-jährige Architekt und Stadtplaner aus Münster (Westfalen) ist seit Abschluss seines Architekturstudiums an der RWTH Aachen sowie an der TU Delft im Jahr 2000 Mitglied im Entwurfsteam von West 8 urban design & landscape architecture b.v. um Adriaan Geuze in Rotterdam.

Er hat nicht nur Projekte in den Niederlanden begleitet, sondern zeichnet auch für die Planung von Städtebau und Freiräumen in vielen Wohnquartieren im deutschsprachigen Raum verantwortlich. Dazu zählen die Jenfelder Au in Hamburg, Kronsrode in Hannover, Lichtenreuth in Nürnberg und Freiham Nord in München sowie Studien zur Nachnutzung des Flughafens Tegel in Berlin.

Der Umgang mit öffentlichem Raum hat in der Entwurfsphilosophie des Rotterdamer Planungsbüros West8 einen besonderen Stellenwert. „Städtische Lebensräume wie Straßenzüge, Plätze, Alleen und Gassen sind in unseren Projekten keine zufällig entstandenen Resträume zwischen individuellen Baukörpern, sondern sie sind bewusst entworfen und bestimmen den Charakter der angrenzenden Bebauung“, beschreibt Christoph Elsässer die Philosophie in der Gestaltung des neuen Wohnquartiers. Derzeit arbeitet Elsässer in Zusammenarbeit mit Amelis und der Stadt Köln daran, in Rondorf Nord-West ein vielfältiges, unverwechselbares Viertel entstehen zu lassen. Im Interview gibt er einen Einblick in die aktuelle Arbeit.

Herr Elsässer, Ende des Jahres soll die Offenlage des Bebauungsplanentwurfes für das neue Wohnquartier erfolgen. Was erwartet die Rondorfer?
Rondorf hat einen besonderen Stellenwert innerhalb der Kölner Veedel. Es ist als Dorf vor den Toren Kölns entstanden und hat bis heute seine räumliche Eigenständigkeit erhalten, kann also noch immer als „Dorf“ erfahren werden.
Da das neue Wohnquartier mit einem Plus von rund 3000 bis 3500 Menschen einen substanziellen Zuwachs für Rondorf bedeutet, streben wir eine Planung an, die sich als harmonische Erweiterung des bestehenden Veedels versteht. Wir haben ein Viertel entworfen, dessen Gebäudedimensionen, Nutzungsangebote und Atmosphäre vom heutigen Rondorf inspiriert wurden.

Das neue Viertel wird mit Sicherheit keine selbstständige Agglomeration gefühlskalter Wohnbebauung am Rande des Dorfes. Wir haben im ständigen Dialog mit Investoren, Stadt und Planern – das sind in der konkreten Umsetzung das Büro Zimmermann, Rietmann Beratende Ingenieure und IPL Consult - auf den Baufeldern verschiedene Größen von Wohnungen und Gebäuden vorgesehen, um eine lebendige Atmosphäre zwischen dörflich und kleinstädtisch zu schaffen. So wird es nicht mehr als fünf Stadthäuser hintereinander geben, die die gleiche Fassade haben.

Weitere gestalterische Idee: Geschosswohnungsbau und Einfamilienhausbau werden innerhalb eines Baufeldes gemischt, wobei die Übergänge zwischen Geschosswohnungsbau und Stadthaus durch einen auf zwei oder drei Geschosse gestaffelten Zwischenbau geschaffen werden. Das lockert ebenfalls auf. Wir möchten keine Gleichförmigkeit, wir möchten den städtischen Charakter fördern und dabei Elemente berücksichtigen, die es in Alt-Rondorf typischerweise bereits gibt.

Rund 30 Prozent des Wohnraums ist für öffentlich geförderten Wohnraum vorgesehen. Auch in diesem Punkt haben wir in der Planung etwas umgesetzt, was vielerorts gemacht wird. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau wird verteilt auf das gesamte Quartier, Sie werden am Ende nicht unterscheiden können, welche Einheiten ausschließlich privat finanziert und welche öffentlich gefördert sind.

Diskutiert wurde vor allem die Lage des Dorfplatzes. Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der Planung?
Der Dorfplatz ist ein schönes Beispiel dafür, wie Anregungen der Dorfgemeinschaft in die Planung eingeflossen sind. Die Idee, den Platz nach Süden zu verrücken, war Ergebnis eines konstruktiven Prozesses. Ich finde die Lage an der Stadtbahn richtig gut, dazu passt die Initiative, dort auch den „Hof der Familie“ zu errichten. Gleichzeitig wurde die Chance genutzt, die Nähe zur Rondorfer Hauptstraße zu realisieren. Der Dorfplatz hat insbesondere die Aufgabe Neu und Alt zu verbinden. Er erweitert gewissermaßen das Zentrum von Rondorf um einen Freiraum, den es bis heute in dem Straßendorf noch nicht gibt. Der Platz wird gleichermaßen dem bestehenden Rondorf, als auch dem neuen Wohnquartier zur Verfügung stehen: ein lebendiger Ort für Markt, Treffen, Reisen, Karneval und vieles mehr.
Am Dorfplatz wird es mit vier Vollgeschossen die höchste bauliche Dichte geben. Das Nahversorgungszentrum am Marktplatz mit Unterbringungsmöglichkeiten für Gastro, Dienstleister und Läden zur Deckung des täglichen Bedarfs soll optisch in Einzelbausteine gegliedert werden.

Wie weit geht eigentlich die Abstimmung zu einzelnen Baufeldern?
Im Bebauungsplan werden sehr konkret öffentliche Parkplatzflächen und private Stellplatzanlagen festgelegt. Dazu ist festzustellen, dass wir einen sehr grünen Plan haben. Die meisten Stellplätze werden unterirdisch untergebracht, das ermöglicht sehr grüne Innenhöfe mit entsprechender Aufenthaltsqualität.
In einem Regelwerk für die Gestaltung der Baufelder (Details zu einzelnen Punkten finden Sie in den anderen Newsletter-Beiträgen, Anmerkung der Redaktion) - haben wir zusätzlich Spielregeln für die Realisierung von Vorgärten, die Farb- und Materialgestaltung der einzelnen Gebäude, die Dachformen, die Größe von Gebäudeeinheiten usw. festgelegt, die schlussendlich für ein harmonisch zusammenpassendes Veedel sorgen sollen.

Inwieweit spielt die Trasse für die Straßenbahn in Ihren Planungen eine Rolle?
Die Trasse spielt eine ganz entscheidende Rolle, wenn es um die Aufteilung von Baufeldern oder deren Lage geht. Wir müssen abwarten, welche Variante schließlich den Vorzug erhält. Im Bebauungsplan werden eine Trasse und Flächen für Haltestellen vorgesehen, was da wirklich passiert, entscheidet sich aber erst im Laufe des Planfeststellungsverfahrens. Am Rondorfer Markt soll es nach aktuellem Planungsstand eine Mobilitätsstation mit ca. 200 Bike & Ride Plätzen geben.

Was ist zur Lage der geplanten Schulen zu sagen?
Auch in diesem Punkt ist es im Dialog mit allen Beteiligten gelungen, gute Lösungen zu finden. Wir haben für die Schulen Flächen vorgesehen, die in Verlängerung des Birkenwegs und in Verlängerung des Lerchenwegs liegen. So befinden sich die Schulen an der Nahtstelle zwischen neuer und alter Bebauung in Rondorf.

Welchen Aspekt der Planung finden Sie als Planer eigentlich besonders reizvoll?
Rondorf ist ein Dorf im städtischen Raum geblieben und wird es trotz der zunehmenden Bebauung auch noch sein, wenn alle Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Der Rondorfer ist Kölner, lebt aber innerhalb einer Metropole in einem landschaftlich sehr attraktiven Raum. Das urbane Wohnquartier verstehen wir als neue Heimat für alle. Es soll durch vielschichtige Wohnraumangebote für eine bunte Mischung von Bewohnern attraktiv werden. Das Quartier wird sehr hochwertig angelegt, gerade das Grün- und Freiraumkonzept mit den Ausgleichsflächen im nördlichen Bereich, dem Radschnellweg und der Verbindung zum Grüngürtel verstärkt diese Attraktivität noch. Ich würde mich freuen, wenn zeitnah die Trasse endgültig festgelegt werden kann und zeitnah Baurecht geschaffen wird.

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Unser Ziel:

Wir schaffen Wohnraum in Rondorf