Freitag, 17 Dezember 2021 17:03

Keine fossilen Brennstoffe mehr

Keine fossilen Brennstoffe mehr ©mikhaylovskij - stock.adobe.com

Erik Hufer gestaltet als Key Account Manager der RheinEnergie in Rondorf ein Stück Zukunft. In einem Interview stellten die Versorgungsspezialisten Erik Hufer (Foto links) und Philipp W. Schönenborn ihr Konzept für das neue Wohnquartier vor, das in Zusammenarbeit mit der Amelis und der Stadt Köln entwickelt wird. (Foto: ©mikhaylovskij - stock.adobe.com).

Die RheinEnergie ist Partner der Amelis in der Realisierung eines zukunftsorientierten Energieversorgungskonzeptes im neuen Wohnquartier Rondorf Nord-West. Welche Bedeutung hat ein solches Projekt für Sie?
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Erik Hufer Quartiersentwicklungen wie in Rondorf sind grundsätzlich eine Chance für zukunftsorientiertes Energiedesign. Die vorausschreitende Digitalisierung, das Wachstum der Städte, Klimawandel und der nach wie vor anhaltende demografische Wandel erfordern eine radikale Anpassung der urbanen Infrastruktur.

Bei der Energieversorgung denken viele vor allem an Strom. Woran denken Sie, wenn Sie an fortschrittliches und innovatives Energiedesign denken?
Erik Hufer Die Liste ist lang. Wir wollen heute schon an die Technologien von morgen denken. Dazu zählen dezentrale Stromnetze, Mieterstromlösungen, Wärme- und Kältelösungen und entsprechende Messdienstdienstleistungen. Digitale Quartierslösungen spielen da ebenso eine Rolle wie erneuerbare Energien, die notwendige Infrastruktur für E-Mobilität, Mobilitäts-Hubs, Speicherlösungen und regionaler Strom. Derartige Konzepte haben wir bereits entwickelt.

Welche Themen haben Sie im Fokus, wenn es um nachhaltige Quartierslösungen für Rondorf Nord-West geht?
Philipp W. Schönenborn Unser wesentliches Thema ist ein schlüssiges Wärme-/Kältekonzept. Das umfasst eine dezentrale Wärmeversorgung z.B. über Wasser-Wasser-Wärmepumpen für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Dagegen wäre beispielsweise in einem Seniorenheim eine zentrale Wärmeerzeugung über ein Biomethan Blockheizkraftwerk und einen Spitzenlast-Gaskessel denkbar.
Erik Hufer Im Bereich E-Mobilität planen wir individuelle und auf das Quartier angepasste Lösungen für unterschiedliche Nutzerbedürfnisse. Dazu gehören auch Themen wie Quartiersautos. Weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von dezentralen Photovoltaikanlagen zur Steigerung der Stromautarkie. Mieterstrom und Betriebskostenabrechnungen stehen da ebenfalls auf der Agenda, wenn es um die Optimierung in diesen Bereichen geht.

In welcher Größenordnung planen Sie aktuell, wenn Sie sich über Rondorf Nord-West Gedanken machen?
Erik Hufer Aktuell sprechen wir über rund 1.300 Wohneinheiten in einer Mischung aus Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhäusern. Hinzu kommen Sonderbauten wie Kindertagesstätten und Schulen sowie ein Pflegeheim. Wir gehen von einer Wärmeanschlussleistung aller Gebäude von rund 6.000 Kilowatt aus, der Jahresnutzwärmedarf wird aller Voraussicht nach bei rund 10.000 Megawattstunden pro Jahr liegen.

Welche Anforderungen hat der Investor in Rondorf an Sie gestellt?
Erik Hufer Amelis und die Stadt Köln wünschen für Rondorf Nord-West höchste ökologische Anforderungen an die Energieversorgung. Das bedeutet: geringen CO2-Ausstoß, die Errichtung von Gebäuden auf Effizienzhaus Standard 40, einen niedrigen Primärenergiefaktor, sozialverträgliche Wärmepreise sowie den Einsatz von „Fußbodenheizungen“ in allen Wohnobjekten. Optional soll der Strom dezentral erzeugt und möglichst im Quartier verbraucht werden.

Ökologische Wärmeversorgung klingt gut, aber was bedeutet das in der Umsetzung für die RheinEnergie?
Erik Hufer Die Überlegungen dazu sind sehr konkret: Geplant ist die Errichtung einer Transportleitung vom Wasserwerk Hochkirchen bis in das Versorgungsgebiet. Das „kalte“ Nahwärmenetz, ein sogenanntes Anergienetz, wird im gesamten Versorgungsgebiet errichtet. Hinzu kommen die Errichtung der erforderlichen Versickerungsbrunnen, einer Druckerhöhungsanlage inkl. Netzpumpen und Nebenanlagen im Wasserwerk Hochkirchen sowie von Hausanschlüssen und die Anbindung der zu versorgenden Gebäude an das Netz.

Welche Vorteile bietet das Quartierskonzept mit seiner ökologischen Wärmeversorgung insbesondere den Neu-Rondorfer Bürgern?
Philipp Schönenborn Wir erfüllen wesentliche Voraussetzungen für effizienten Klimaschutz. Ein niedriger Primärenergiefaktor ermöglicht es den vor Ort tätigen Bauträgern, höchste bauliche Anforderungen umzusetzen und Fördermittel der KfW zu erhalten. Letztlich ist ein ökologisches und innovatives Versorgungskonzept auch ein Vertriebsargument.
Erik Hufer Außerdem können wir einen effizienten Betrieb der dezentralen Wasser-Wasser-Wärmepumpen durch die Bereitstellung des Grundwasservolumenstroms im Gebäude gewährleisten. Durch Ausnutzung der niedrigen Bodentemperaturen entstehen keine Netzverluste im kalten Nahwärmenetz.

Wie sieht es mit dem Einsatz von fossilen Brennstoffen aus?
Philipp W. Schönenborn Fossile Brennstoffe sind bei diesem Quartier kein Bestandteil des Wärmeversorgungskonzeptes. Damit haben wir keine Belastung durch CO2-Abgabe und vermeiden lokal den Ausstoß von CO2. Darüber hinaus bedeutet das Quartierskonzept wenig Platzbedarf in den einzelnen Gebäuden und Preisstabilität bei den Energiekosten für die Nutzer während der Vertragslaufzeit durch ein innovatives Abrechnungskonzept.

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