Montag, 22 März 2021 09:13

Arten- und Landschaftsschutz: Kein Bauprojekt ohne detailgenaue Untersuchungen

Arten- und Landschaftsschutz: Kein Bauprojekt ohne detailgenaue Untersuchungen ©Panorama Wisseler Dünen, Kalkar, Germany on a sunny day in springtime - stock.adobe.com

Umwelt, Klima, Lärm, Natur-, Landschafts- und Artenschutz, Freiräume – der Umstand, dass diese Aspekte eine immer höhere Bedeutung in unserer Gesellschaft bekommen, ist quasi die Geschäftsgrundlage des Ingenieurbüros Rietmann Beratende Ingenieure aus Königswinter.

Geschäftsführerin Isabell Piela und ihre Geschäftspartnerin Ingrid Rietmann (64), Diplom-Ingenieurin im Bereich Landespflege, untersuchen mit ihrem rund ein Dutzend Mitstreitern zahlreiche Immobilienprojekte und deren Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt. Was für viele Laien nach schnödem Umweltmarketing aussieht, ist für alle Projektentwickler ein Muss: „Ohne landschaftspflegerischen Fachbeitrag und Umweltbericht wird kein Bebauungsplan mehr verabschiedet“, erklärt Isabell Piela. „Der Gesetzgeber hat klar geregelt, dass Eingriffe in Natur und Landschaft unter anderem einer Überprüfung artenschutzrechtlicher Belange bedürfen, wenn eine Betroffenheit bestimmter geschützter Arten nicht von vorneherein auszuschließen ist“, zitiert Isabell Piela aus den relevanten Vorschriften.

Ausgleich für die Feldlerche
Bei der Untersuchung der Flächen des geplanten Wohngebietes Rondorf Nord-West wurden beispielsweise Feldlerchen und Rebhühner entdeckt. „Für diese Arten sind klar geregelte sogenannte vorgezogene Kompensationsmaßnahmen durchzuführen.“, erläutert Isabell Piela. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Ausgleichsflächen hergestellt werden müssen, bevor auch nur eine einzige Maßnahme vor Ort die bestehenden Reviere beeinträchtigen könnte. Zudem muss diese Ausgleichsfläche einen geeigneten, artgerechten Lebensraum für die Art bieten. Die Feldlerche benötigt beispielsweise als Schutz vor Fressfeinden offene, gut übersehbare Flurflächen.

Ausgleichsflächen nördlich und südlich des Baugebietes in der Diskussion

Die Flächen, die entweder als Ausgleich für den Artenschutz oder als Ausgleich für den Eingriff in Natur und Landschaft bereitgestellt werden müssen, werden von Isabell Piela und ihrem Büro in enger Abstimmung mit den zuständigen Ämtern der Stadt Köln ermittelt. Ein ca. 25 ha großer Streifen zwischen dem Baugebiet und der A4 sowie Flächen südlich von Rondorf sind für diese Maßnahmen reserviert. „Die landwirtschaftlichen Flächen werden zu extensiven Wiesenflächen mit Blühstreifen umgestaltet und durch Gehölzstrukturen und Streuobstwiesen aufgewertet“, beschreibt die Agrarwissenschaftlerin, die ihren Master of Science mit Schwerpunkt Naturschutz und Landschaftsökologie absolviert hat, ihre Ideen. Damit wird der äußere Grüngürtel gewissermaßen nach Süden über die A4 erweitert.

Lärmschutzwall wirkt sich auch positiv für bestehende Teile von Rondorf aus
Bereits vor fünf Jahren hat das Büro in Rondorf eine erste Grobbilanzierung der Flächen aufgestellt. Die rechtzeitige Einbindung in das Verfahren versetzte die Ingenieure in die Lage, bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Empfehlungen aussprechen zu können, in welchen Bereichen eine Bebauung vergleichsweise unkritisch sein würde. „Grundlage für unsere weitere Arbeit – sprich: die Erstellung des landschaftspflegerischen Fachbeitrags und des Umweltberichts - sind der derzeit in Arbeit befindliche Bebauungsplanentwurf und die damit verbundene, laufende Abstimmung mit den anderen Fachplanern“, beschreibt Isabell Piela ihren beruflichen Alltag.

Aufgenommen sind auch bereits die im Bebauungsplangebiet vorhandenen Bäume: Exakt 122 sind es, darunter vor allem Obstbäume sowie eine Allee mit 50 Winterlinden. Vor allem die Lindenallee soll möglichst erhalten bleiben. Ein stattlicher, fast 180 Jahre alter Bergahorn wird zudem zum Erhalt festgesetzt. Bäume, die überplant werden, müssen im Plangebiet auch wieder ausgeglichen werden. Das Bebauungsplangebiet wird mit einer Vielzahl neuer Straßenbäume ausgestattet. Mit Blick auf die Faktoren Schall und Lärm steht bereits fest, dass es über die ganze Breite des Baugebietes einen rund einen Kilometer langen Lärmschutzwall an der Autobahn geben wird: „Durch diesen Wall wird nicht nur das neue Wohngebiet vor dem Lärm der Autobahn geschützt, positive Auswirkungen wird dieser Wall auch in den angrenzenden Teilen der bereits bestehenden Bebauung haben“, so Isabell Piela.