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Montag, 22 März 2021 09:13

Rondorf Nord-West: Das tägliche Geschäft von Achim Scheven und Hubertus Zimmermann

Rondorf Nord-West: Das tägliche Geschäft von Achim Scheven und Hubertus Zimmermann ©Stadtplanung Zimmermann

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, was aktuell in Köln und Umgebung (sprich: auch in Rondorf) in puncto Stadtplanung so alles im Umbruch ist, der hat in Achim Scheven (41, links) und Hubertus Zimmermann (59) geeignete Ansprechpartner.

Dipl. Ing. Hubertus Zimmermann, neben Ulrich Faßbinder Geschäftsführer der 1994 gegründeten Stadtplanung Zimmermann GmbH, hat in Aachen und Darmstadt Architektur und Stadtplanung studiert. Dipl. Ing. Achim Scheven studierte Raumplanung in Dortmund.
15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens Stadtplanung Zimmermann machen heute vor allem eines: „Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Betreuung formeller Planungen nach dem Baugesetzbuch, sprich: Flächennutzungspläne, Angebots- und vorhabenbezogene Bebauungspläne sowie Satzungen nach dem Baugesetzbuch“, beschreibt Hubertus Zimmermann. Die Entwicklung von Konzepten, Rahmenplänen, Machbarkeitsstudien und Gestaltungskonzepten gehören neben der Moderation von Planungsprozessen und der Koordination von Fachplanern und Gutachtern ebenfalls zum täglichen Geschäft.

Aktuell rund 30 Projekte allein in Köln
Die für Laien nach Einschätzung von Achim Scheven „eher trockene Materie“ wird in dem Moment spannend, wenn es um die Umsetzung geht. „Wir haben derzeit rund 30 Projekte in Arbeit, die mit Entwicklungen in der Domstadt verknüpft sind“, erläutert Hubertus Zimmermann. Darunter sind und waren so unterschiedliche Projekte wie das Diözesanmuseum, der Neubau für den Landschaftsverband Rheinland in Deutz, die Erweiterung des Sachsenturms für die Blauen Funken oder Wohnungsbauprojekte im Kölner Stadtgebiet. Gearbeitet wird in enger Zusammenarbeit mit den Stadtplanern der Stadt Köln.

Vom städtebaulichen Entwurf zum Bebauungsplan
Seit Sommer 2016 sind die Planer im Projekt Rondorf Nord-West engagiert. „Angefangen hat es mit der kurzen Erläuterung für den Einleitungsbeschluss des Bebauungsplanverfahrens. Inzwischen beschäftigen wir uns vor allem damit, den städtebaulichen Entwurf von West8 aus Rotterdam in enger Abstimmung mit der Stadt Köln in einen Bebauungsplanentwurf umzusetzen“, so Hubertus Zimmermann. Mit der Anpassung des städtebaulichen Entwurfs von Architekt Christoph Elsässer verändert sich der jeweilige Stand des Bebauungsplanentwurfes. „Darin werden wesentliche Bestimmungen zum Wohnquartier Rondorf Nord-West festgelegt, am Ende finden sich dort beispielsweise Ausführungen zu den Haustypen (z.B. freistehende Einfamilienhäuser, Doppel-, Reihen- oder Mehrfamilienhäuser), zum Standort des Gebäudes auf dem Grundstück, zum Anteil der bebauten Fläche, zu Zahl und Höhe der Geschosse sowie zu Dachformen und Art und Ort von Bepflanzungen“, umreißt Achim Scheven die tägliche Arbeit. Drei Mitarbeiter/innen des Büros sind intensiv mit der Ausgestaltung des Bebauungsplanentwurfes beschäftigt.

Im Fokus: Verkehr, Lärm und Klima
Damit die Planungen ihren Weg durch Verwaltung und Politik zur Realisierung finden, sind vielfältige Einflüsse zu berücksichtigen: „Heute stehen in jeder Planung gerade bei Wohngebieten wie Rondorf Nord-West die Themen Verkehr, Lärm aber auch zunehmend Klima im Mittelpunkt. Da sind laufende Abstimmungen mit den Gutachtern notwendig, um für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen“, erklärt Achim Scheven. Die Sicherung der sozialen Infrastruktur spielt in Rondorf durch den geplanten Bau der Kindertagesstätten, der Schulen und der Altentagesstätte ebenfalls eine große Rolle. Nicht zuletzt überprüfen die Planer in regelmäßiger Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt der Stadt Köln die Planung zu zentralen Elementen des Planungsgebietes. „Das muss städtebaulich im Einklang mit dem stehen, was die Stadt sich vorstellt, muss aber auch realisierbar und marktfähig sein“, erläutert Hubertus Zimmermann. Die Planer haben dabei in dem einen oder anderen Fall auch die Aufgabe, für gangbare Kompromisse zu sorgen. Für die Planung des Wohnquartiers spielt aktuell weniger die finale Variante der Entflechtungsstraße als vielmehr die Trassenführung für die Stadtbahn eine Rolle. „Je nachdem, zu welcher Einschätzung die Verfahrensträger hier kommen, kann dies nochmals Einfluss auf die Planungen des Wohnquartiers haben“, so Zimmermann.

Politisches Thema: Einfamilienhaus
Differenziert betrachten die Planer aktuell die bundesweite Diskussion um den Bau neuer Einfamilienhäuser. „Solche Themen werden sich vielerorts schon allein durch die Rahmenbedingungen erübrigen“, schätzt Hubertus Zimmermann. „Kaum ein Bauträger wird in Metropolen mit sehr hohen Grundstückspreisen das Risiko eingehen, Objekte mit mutmaßlich siebenstelligen Preisen anzubieten, die nur eine sehr begrenzte Zahl möglicher Interessenten ansprechen“, so der Planer. Entsprechend werde die mögliche Art der Bebauung in vielen Fällen schon durch die Marktfähigkeit der einzelnen Objekte bestimmt. „Grundsätzlich passt es natürlich in die Zeit, sich angesichts verändernder Rahmenbedingungen auch Gedanken über die Nutzung und Verdichtung vorhandener Räume zu machen“, ergänzt Achim Scheven. Aktuell gehen die Planer davon aus, dass es in Rondorf Nord-West 34 Baufelder geben könnte. Offen ist dabei nach wie vor, wo beispielsweise die öffentlich geförderten Wohnbereiche liegen werden, es ist jedoch angedacht, dass sich diese im gesamten Baugebiet verteilen. 30 Prozent der Wohneinheiten in Rondorf werden durch Anwendung des Kooperativen Baulandmodells der Stadt Köln genutzt, um Wohnungen im öffentlich geförderten Segment zu errichten.

Offenlage noch in diesem Jahr möglich
Gefragt, wann denn mit der Offenlage des Bebauungsplans zu rechnen sei, sind die Planer vorsichtig: Sie rechnen aber damit, dass in Zusammenarbeit von Investor, Stadt, Politik und Öffentlichkeit noch in diesem Jahr die Offenlage des Bebauungsplanes möglich sein könnte. Der Beschluss zur öffentlichen Auslage des Bebauungsplanes wird von der zuständigen Bezirksvertretung und dem Stadtentwicklungsausschuss getroffen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, über den Entwurf zu diskutieren und eine Stellungnahme abzugeben.